„Lass uns umkehren, wir haben ja noch das Auenland.” - „Es wird bald kein Auenland mehr geben.”

Der Ausverkauf des Gesundheitssytems

Wenn eine Unternehmung mehr (oder überhaupt einmal) Geld verdienen will, dann hat die Unternehmung genau zwei Stellschrauben:

  • Einnahmen erhöhen oder
  • Kosten senken

Um die Einnahmenseite zu stärken, benötigt man Kreativität. Zum Beispiel ein Produkt, das gekauft wird. Man benötigt eine Produktion, die beim zu erzielenden Preis für das Produkt günstig genug ist. Und/Oder man benötigt ein Marketing, das das Produkt zu dem gewünschten Preis an die Frau oder an den Mann bringt. Da ist also eine Menge Vorleistung mit Fachwissen nötig. Daher geht man lieber den zweiten, einfacheren Weg:

Man schaut auf der Kostenseite, wo man was sparen kann. Den Rotstift ansetzen kann jeder Griffelspitzer. Dafür braucht es nicht viel Qualifikation, man muss nur rechnen können und oft nicht mal das.

Dass ein gutes Gesundheitswesen eine Menge Kosten verursacht, ist klar. Mit weiteren Erkenntnissen und dem technischen Fortschritt steigen die Kosten weiter, weil man nun Fälle behandeln kann, bei denen man früher die Flügel strecken musste. Das ist auch klar.

Für mich stellt sich allerdings die Frage: Muss in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen denn tatsächlich Geld verdient werden? Muss das wirtschaftlich sein? Oder ist es nicht eher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe wie Bildung, Abwasserbeseitigung und Straßenbau?

Es ist unbestreitbar, dass die Kosten nicht ins Unermessliche steigen können, denn das ist irgendwann nicht mehr bezahlbar. Ich denke, darüber sind sich alle einig. Doch einfach nur in Krankenhäusern und Pflegeheimen den Rotstift ansetzen und Personal und Leistungen zu streichen und auf der anderen Seite als buchbare Zusatzleistungen wieder anzubieten, kann auch nicht der Weg sein.

Eine Bertelsmann-Studie hat kürzlich festgestellt: Rund die Hälfte der Krankenhäuser in Deutschland ist anscheinend überflüssig, das könnte man auch billiger haben. Doch hätten wir dann auch die (freien) Kapazitäten, um im Notfall angemessen reagieren zu können und nicht beim ersten "Lüftchen" überlaufene Krankenhäuser zu haben, wie es zum Beispiel in Italien und den USA gerade während der Corona-Pandemie anscheinend der Fall war? Ich schreibe hier bewusst anscheinend, denn beide Länder haben ein ganz anderes Gesundheitssystem, beide Länder haben jedes Jahr zur Grippesaison damit zu kämpfen, wie man leicht heraus finden kann, wenn man nur etwas recherchiert. Dazu kommt in diesem Fall noch: Man hat die Kameras genau da hin gestellt, wo es klemmt. Krankenhäuser, die nicht überlaufen waren, waren nicht interessant, damit kriegt man keine Quote. Warum macht man das ausgerechnet jetzt und nicht zu jeder beliebigen Grippesaison? Aber ich schweife ab.

Glücklicherweise sind noch nicht alle angeblich überflüssigen Krankenhäuser dem Spahn- Spar-Wahn zum Opfer gefallen.

Es wird bemängelt, dass es in Deutschland zu wenig Ärzte und Pflegekräfte gibt. Bullshit! Es gibt genügend, wenigstens sind genügend in diesen Bereichen ausgebildet und die sind auch nicht alle in Rente. Es wandern einfach zu viele ab. Ärtze ins Ausland, Pflegekräfte in andere Berufe. Eine hohe Arbeitsbelastung bei unkalkulierbaren Arbeitszeiten, hohe Verantwortung, Praxis, Krankenhaus, Pflegeeinrichtung als Dienstleister mit den entsprechender Anspruchshaltung und Behandlung der Kräfte durch die Patienten, dazu noch schlechte Bezahlung, keine förderliche Kombination!

Wenn mit Gesundheit Geld verdient werden soll, dann fällt vieles hinten runter. Wirtschaftlichkeitsrechnungen und Machbarkeitswahn reduzieren das Gesundheitswesen auf Geräte- und Chemie-Medizin, Vorsorge und menschliche Zuwendung, mindestens genauso wichtige Säulen der Gesundheit, haben da keinen Platz. Menschliche Zuwendung kostet zuviel und Vorsorge, wozu? Wir haben ja eine Vollkasko im Gesundheitswesen. Außerdem: Mit gesunden Menschen lässt sich in der Medizin kein Geld verdienen.

Dabei wäre Vorsorge doch eigentlich der allererste Punkt auf der Liste, wie man die Kosten senken kann: Ein Mensch, der nicht krank ist, kostet das Gesundheitswesen auch nichts. Mit Vorsorge meine ich aber nicht die Vorsorgeuntersuchungen zum Beispiel zur Krebsvorsorge. Das kommt erst später auf der Liste, wenn das dann überhaupt noch nötig ist.

Aber wie schon geschrieben: Mit Gesunden lässt sich in der Medizin kein Geld verdienen…

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